Elektroschrott in Afrika – April 2013

Kind beim Abbrennen eines Computers
Faruk beim Abbrennen
eines Computers © Südwind
Kind beim Sammeln von Kleinteilen
Kind beim Sammeln von
Kleinteilen © Südwind
Bub auf Elektroschrotthalle
Kind beim Sammeln von
Kleinteilen © Südwind

Das zerstörerische Ende unserer Computer, Fernseher und Kühlschränke Europäischer Elektroschrott gelangt immer noch nach Afrika und bringt afrikanische Kinder und Jugendliche in Lebensgefahr.

Laut einer aktuellen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO besteht der weltweit am schnellsten wachsende "Müllberg" aus Elektroartikeln, er vergrößere sich jährlich um vier Prozent. Schätzungen zufolge sind es über 41 Mio. Tonnen, die pro Jahr anfallen. MitarbeiterInnen der entwicklungspolitischen Organisation Südwind waren bereits zum dritten Mal in den letzten drei Jahren auf einer der größten afrikanischen Elektromüllhalden in Ghanas Hauptstadt Accra. Sie bestätigen den Verdacht der ILO, dass ein Großteil der in Industrieländern zum Recycling anfallenden Elektroaltgeräte, als funktionierende "Second-Hand-Ware" deklariert, in Entwicklungsländer verschifft wird und dort großen Schaden anrichtet.

Mittlerweile sind es schon an die 7000 Kinder und Jugendliche, die tagtäglich auf die Elektromüllhalde kommen und Altgeräte verbrennen, um an die Kupferkabel zu kommen. Für eine Tagesausbeute von 500 Gramm Kabel bekommen sie einen Euro. "Die Luft ist verpestet und macht das Atmen schwer, der Boden voller scharfer Splitter und Gift – es ist nach wie vor apokalyptisch", zeigt sich Christina Schröder nach ihrem letzten Lokalaugenschein schockiert: "Jeden Tag kommen mehr Kühlschränke, Fernseher und Computer, zum Teil sogar mit Inventarschildern versehen, die ihre Herkunft aus Europa bestätigen. Hier bringen sie ghanaische Kinder und Jugendliche um ihre Gesundheit." Haut- oder Lungenkrankheiten, an denen die meisten früher oder später erkranken, bleiben unbehandelt, da die Kinder und Jugendlichen nicht versichert sind und oft auch ohne ihre Eltern leben – zumeist gleich neben der Müllhalde in einem Slum namens "Sodom and Gomorrah". Einer von ihnen ist der 12jährige Faruk: "Ich habe ständig Kopfweh, brennende Augen, Husten und Brennen in den Atemwegen. Wenn ich es nicht mehr aushalte, kaufe ich mir von meiner Ausbeute Schmerztabletten. Die werden hier auf der Deponie gehandelt", erzählte er den Südwind-MitarbeiterInnen. 

"Es ist skandalös, was unser Wohlstandsmüll in Afrika anrichtet und nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch kriminell.", empört sich auch Ines Zanella von Südwind. Auf internationaler Ebene kontrolliert das so genannte Basler Übereinkommen grenzüberschreitende Transporte von Elektromüll. In Europa ist zudem 2006 die WEEE-Richtlinie in Kraft getreten, die den Export von Elektromüll in Länder außerhalb der OECD verbietet und die Sammel- und Verwertungssysteme für Recycling vorsieht. Finanziert werden sollen diese dabei laut Richtlinie von den Herstellern der Geräte. Nur funktionierende Altgeräte dürfen als Second-Hand-Ware weitergegeben und aus Europa ausgeführt werden. Tatsächlich wird aber auch immer wieder Müll als funktionierende Gebrauchtware deklariert und so illegal ausgeführt.

Das Secretariat of the Basel Convention identifiziert in einer Studie als einen signifikanten Weg für die informelle Entsorgung von Elektromüll die Elektrohändler, die Geräte zurücknehmen. Diese geben, sofern sie nicht gebührenfreie öffentliche Sammelsysteme benützen können, ihre gebrauchten und kaputten Geräte an Zwischenhändler weiter, um deren "Entsorgung" zu organisieren. "Es kann angenommen werden, dass die Händler bald die Spur der von ihnen weitergegebenen Geräte verlieren, auch wenn sie laut WEEE-Richtlinie die Verantwortung für die Entsorgung tragen.", so Zanella nach ausführlichen Recherchen und erklärt weiter: "Der Handel mit Gebrauchtgeräten und Elektroschrott ist offenbar finanziell lukrativer als Recycling und wegen lückenhafter Kontrollsysteme in großem Ausmaß möglich."

Nachfragen bei österreichischen Elektrohändlern bestätigten dieses Bild: Nur ein Unternehmen arbeitet mit einem zertifizierten Recyclingunternehmen zusammen. Kleinere Elektrohändler organisieren die Entsorgung selbst. Ein Computerhändler gab an, die Entsorgung der Altware durch ein weltweit agierendes Speditionsunternehmen abwickeln zu lassen. Andere Händler reagierten gar nicht auf Nachfragen – ebenso wie OnlineankäuferInnen von Elektrogeräten.   

"Die Wege des Elektromülls nach Afrika sind vollkommen intransparent und werden wohl aus guten Gründen verborgen gehalten. Offensichtlich sind aber die Berge an Elektromüll, die sich dort anhäufen – deswegen müssen Regierungen, Hersteller und Handel zusammenarbeiten, um diese illegalen Exporte zu stoppen", fordert Zanella. Jenen, die zu einer Besserung der Missstände beitragen wollen, rät Südwind alte Elektrogeräte zu entsprechenden Sammelstellen der Gemeinden oder zu einem "ReUse"-Zentrum bringen, das für Reparatur und Wiederverwendung in Österreich sorgt.

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