Presseaussendung

07. August 2026 | Clean Clothes Kampagne, Presse

Begraben unter Altkleidern. Südwind erinnert an Deponie-Einsturz in Uganda

Müllberge entlang einer staubigen Straße, im Hintergrund notdürftig zusammengebaute Hütten.

Kampala/Wien, am 07. August 2026. Vor zwei Jahren, am 9. August 2024, stürzte ein Teil der Mülldeponie Kiteezi am Stadtrand von Kampala ein und zerstörte mehrere angrenzende Häuser. 35 Menschen kamen ums Leben, über 1.000 haben ihr Zuhause verloren. Zu diesem Anlass gedenkt Südwind den Opfern und fordert von Unternehmen und Abfallwirtschaft mehr Verantwortung für die Entsorgung von Altkleidung.

“Kiteezi muss ein Weckruf sein. Diese Katastrophe wurde durch die europäische Wegwerfgesellschaft mitermöglicht”, sagt Lena Gruber, Südwind-Expertin für Textillieferketten. Jahr für Jahr landen bis zu 100.000 Tonnen Altkleider aus Europa und den USA in Uganda. 40 Prozent davon sind unbrauchbarer Müll, der schließlich auf Deponien wie Kiteezi gekippt wird. Die Folgen sind instabile Halden, auf denen Methan und Giftstoffe freigesetzt werden. “Es liegt auch an uns, Verantwortung für unseren Konsum bis hin zur Entsorgung zu übernehmen. Es kann nicht sein, dass wir unseren Altkleider-Müll in den Globalen Süden exportieren, wo er zur Gefahr für Menschen wird”, so Lena Gruber.

Kiteezi-Katastrophe war absehbar

Die Deponie Kiteezi war längst überlastet. Anwohner:innen in der Nähe der Deponie, die seit Jahrzehnten als größte Mülldeponie von Ugandas Hauptstadt Kampala dient, klagten seit Langem über gefährlichen Abfall, der die Umwelt verschmutzt und eine Bedrohung darstellt. Die Schutzmaßnahmen für die Menschen, die in der Nähe leben oder auf der Deponie arbeiten, sind in der Regel völlig unzureichend. Nach heftigen Regenfällen Anfang August 2024 geriet ein Teil der Deponie ins Rutschen und begrub Menschen und Häuser unter sich.

Forderungen: Vom Müll- zum Kreislaufsystem

Um zu vermeiden, dass gemeinsam mit brauchbarer Altkleidung auch tonnenweise Müll aus Österreich exportiert wird, fordert Südwind den Ausbau von Kapazitäten für die Sortierung von Altkleidung sowie strenge Kontrollen und Sanktionen gegen Falsch-Deklaration und die illegale Ausfuhr von Müll.

Darüber hinaus müsse auch die Überproduktion gebremst werden. Südwind fordert daher einen umfassenden Kurswechsel und konkrete Maßnahmen gegen das Fast Fashion-System. Ein Kernproblem besteht in der fragmentierten Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und fehlende Haftung zur Folge hat – auch in Österreich. Südwind fordert daher von der Bundesregierung eine Just Fashion Task Force. Diese sollte Ministerien, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um die Wirksamkeit bestehender Gesetze sicherzustellen, Kontrollen zu stärken, bestehende Lücken zu schließen und Transparenz und öffentlichen Informationszugang sicherzustellen. Zusätzlich müssen EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast Fashion-Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green Transition oder der Digital Service Act – in Österreich konsequent umgesetzt werden.

Die Südwind-Forderungen für eine gerechte Modeindustrie finden sich online unter: suedwind.at/justfashion

Fotos der Kiteezi-Deponie und des Owino Markt in Kampala finden Sie hier.

Rückfragehinweis:
Stefanie Marek
Pressesprecherin Südwind
Tel.: 0680 1583016
E-Mail: stefanie.marek@suedwind.at

Weitere Inhalte

  • Clean Clothes Kampagne
Südwind zum Vernichtungsverbot für Neukleidung: Wichtiger Schritt trotz großer Schlupflöcher
Menschenrechtsorganisation sieht entscheidende Lücken in der EU-Ökodesign-Verordnung und fordert mehr Konsequenz im Kampf gegen Fast Fashion
  • Clean Clothes Kampagne
  • Konsum
  • Menschenrecht
Südwind reicht OECD-Beschwerde gegen Huber Holding AG ein
  • Clean Clothes Kampagne
  • Konsum
  • Wirtschaft
Südwind: Paketabgabe muss erster Schritt sein. Für gerechte Mode braucht es mehr
Logo von Südwind mit dem Zusatz Globalisiert Gerechtigkeit
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.