Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Folgen sind bereits deutlich spürbar – zunehmende Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen bis hin zu Wassermangel und Nahrungsmittelknappheit. Wir wissen viel über die Umweltkrise und einige Menschen empfinden Empathie für Menschen, die von den Folgen besonders stark betroffen sind. Trotzdem führen Wissen und Empathie oftmals nicht zu nachhaltigem Konsum oder klimafreundlichem Verhalten. Was also hindert Menschen daran, ihr Wissen und ihre Empathie in nachhaltiges Verhalten umzusetzen? Dieser Frage bin ich in meiner Forschung nachgegangen. Die Ergebnisse zeigen, wie individuelle Einstellungen sowie politische, wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen zusammenwirken und beeinflussen, ob und wie Endverbraucher:innen nachhaltig handeln können.
Von Vanessa Kummer
August 2026
Unser Konsum hat Auswirkungen, die weit über die einzelne Kaufentscheidung hinausgehen. Was wir kaufen, wie wir uns fortbewegen und welche Dienstleistungen wir in Anspruch nehmen, verursacht Ressourcen- und Energieverbrauch und den daraus entstehenden Abfall. Auch die Art und Weise, wie Produkte hergestellt werden und unter welchen Bedingungen sie entlang globaler Lieferketten entstehen, hat Auswirkungen auf das Klima. Besonders im Globalen Norden sind Konsum und die damit verbundenen Emissionen im Vergleich zum Globalen Süden besonders hoch. Gleichzeitig sind Menschen und Regionen, die wenig zur Klimakrise beigetragen haben, am stärksten von den Folgen betroffen. Nachhaltiger Konsum bedeutet bei Kauf und Nutzung von Produkten und Dienstleistungen auch deren ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen entlang des gesamten Lebenszyklus zu berücksichtigen und lässt sich deshalb nicht allein auf individuelle Entscheidungen reduzieren. Außerdem haben nicht alle Menschen die gleichen Möglichkeiten nachhaltig zu konsumieren. Dies hängt davon ab, wie die wirtschaftlichen, politischen und soziokulturellen Bedingungen gestaltet sind.
An diesem Punkt setzt meine Arbeit an und beleuchtet, was es braucht, damit aus Wissen und Empathie hinsichtlich der Klimakrise tatsächlich nachhaltiges Handeln entsteht und wo politische, wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen Grenzen setzen oder Möglichkeiten schaffen. Meine Untersuchung zeigt, dass Wissen über die Klimakrise eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltigen Konsum ist und zur Reflexion anregt. Ein:e Konsument:in äußerte: „Ja, es hat mein Verhalten verändert, indem ich wirklich gut darüber nachdenke, ob ich zum Beispiel das Kleidungsstück kaufe und ob ich es wirklich brauche oder weil die Werbung das gerade schön präsentiert.“ Doch weder Wissen allein noch eine Vielzahl von Informationen führen bei der Mehrheit zu einer Verhaltensänderung. Zwischen dem Wissen über die Folgen des eigenen Konsums und dem tatsächlichen Handeln gibt es eine Lücke, die durch persönliche und systemische Grenzen entsteht. Auch Empathie kann nachhaltiges Handeln fördern. Entscheidend ist dabei, welchen Stellenwert das Wohlergehen anderer Menschen, zukünftiger Generationen, von Tieren oder der Natur in den persönlichen Werten einnimmt. Persönliche Geschichten, Bilder oder direkter Kontakt mit Betroffenen können stärkere emotionale Reaktionen hervorrufen. Eine:r der Befragten verdeutlichte: „es ist sicher eine stärkere Erinnerung, wenn man bei der Ausstellung dieses Hörbeispiel hat, wo der Arbeiter von seiner Cashew-Plantage erzählt. Dann ist das natürlich etwas anderes, als wenn du nur ein Factsheet bekommst.“
Wissen und Empathie können sich gegenseitig verstärken. Besonders Empathie kann Verhaltensänderungen fördern, wenn sie mit Wissen verbunden ist. Beide Faktoren allein reichen jedoch nicht aus, denn Menschen handeln nicht unabhängig von ihrer Umgebung. Nachhaltiges Konsumverhalten hängt von Wissen, Empathie, Werten und Einstellungen ab, die durch Erziehung, Bildung und Vorbilder geprägt werden. Hinzu kommt, dass individuelle Handlungsmöglichkeiten von äußeren Faktoren bestimmt werden. Ungleiche Einkommen, finanzielle Einschränkungen, fehlende Alternativen, hohe Preise, mangelnde Zugänglichkeit nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen sowie irreführende Marketingstrategien erschweren nachhaltigen Konsum. Auch der Wandel hin zu einem bewussteren, suffizienteren Wirtschaftssystem ohne reine Wachstumslogik spielt eine Rolle. Psychologische Aspekte wie Bequemlichkeit, Rechtfertigungsdruck und Überforderung bei Kaufentscheidungen stellen zusätzliche Barrieren dar. Dagegen können politisches Engagement und langfristige Perspektiven, Regulierungen und Förderungen, transparente Produktkennzeichnungen sowie gesellschaftliche Vorbilder und kollektives Handeln nachhaltigen Konsum fördern. Auch Selbstwirksamkeit, eine reflektierte Meinungsbildung und lösungsorientierte Kommunikation können diesen Wandel vorantreiben. Ein:e Expert:in meinte zusammenfassend: „Wenn man reformiert oder sich zusammentut, kann man trotzdem was verändern. Die Zukunft oder das, was kommen wird, muss nicht einfach hingenommen werden.“
Gerade deshalb ist es wichtig, wie Wissen vermittelt und welche Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Informationen allein verändern Verhalten nicht automatisch. Sie können jedoch Orientierung geben, Zusammenhänge verständlich machen und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Empathie wird bereits früh durch Erziehung und Beobachtung von Vorbildern geprägt. Ein Umfeld, das Empathie für andere Menschen und die Natur fördert, kann dabei helfen, Werte zu entwickeln, die über die eigenen Bedürfnisse hinausgehen. Bei der Vermittlung von Wissen kommt es deshalb darauf an, Zusammenhänge verständlich und greifbar zu machen, statt nur Fakten aufzuzeigen. Daran knüpfen verschiedene Bereiche der Arbeit von Südwind an. Die Angebote rund um „Konsum und Verantwortung“, darunter Projekte wie „RebootFood“ beschäftigen sich mit globalen Zusammenhängen von Konsum, Umwelt und sozialen Auswirkungen und bereiten diese für unterschiedliche Zielgruppen verständlich auf. Auch konkrete Orientierungshilfen bei Kaufentscheidungen spielen eine Rolle. Der Gütesiegel-Check von Südwind unterstützt Endverbraucher:innen dabei, sich in der Vielzahl unterschiedlicher Siegel und Kriterien zurechtzufinden und nachhaltige Entscheidungen besser einzuordnen.
Nachhaltiger Konsum ist keine alleinige Aufgabe von Endverbraucher:innen. Wissen und Empathie können Menschen dabei unterstützen, Zusammenhänge zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Damit daraus auch tatsächlich Handeln entstehen kann, braucht es verständliche und lösungsorientierte Informationen, motivierende Kommunikation, Anreize und Rahmenbedingungen, die nachhaltige Entscheidungen ermöglichen und erleichtern. Es braucht daher Veränderung auf mehreren Ebenen – bei dem, was wir selbst wichtig finden und tun, genauso wie bei den Bedingungen, unter denen wir handeln.
Download der Bachelorarbeit: “Empathie und Wissen in der Klimakrise als Einflussfaktoren nachhaltigen Konsums im Globalen Norden”








