04. August 2026 | Aktuell

Lead the Change: Your Voice, Our Revolution!

Was passiert, wenn sich rund 30 junge Frauen* mit globalen Themen, Geschlechtergerechtigkeit und Empowerment auseinandersetzt? Viel.
Ein kurzer Nachbericht.

28. Juli 2026. In Innsbruck ist es heiß, im Seminarraum im Haus der Begegnung noch heißer. Vier Tage lang werden die Räumlichkeiten der Mittelpunkt für 27 junge Frauen* aus Griechenland, Italien, Polen, Spanien, Ungarn, Rumänien und Österreich sein. Der Grund? Südwind hat zur International Summer School „Lead the Change: Your Voice, Our Revolution“ geladen.

„Wer von euch hatte die längste Anreise?“ Kurzes Gemurmel, Stühlerücken. Alle verteilen sich im Raum. „18 Stunden“ ist die Antwort von Zofia aus Polen. Trotzdem ist ihre Laune gut, die Stimmung im Raum bei hochsommerlichen Temperaturen ausgelassen. Ein Wollknäuel fliegt durch die Luft, das Kennenlernen beginnt. Gleichzeitig versinnbildlicht es, was in den nächsten Tagen zur Praxis wird. Das Schaffen von Netzwerken und Verbindungen, der Austausch ungeachtet der Vorkenntnisse und nationaler Grenzen.

Wie geht es dir als Frau* im Hier und Jetzt?

In einer ersten Gesprächsrunde dreht sich ausgehend von dieser Frage gleich alles um die Lebensrealität der Teilnehmenden. In Kleingruppen spricht immer eine Person, die anderen drei hören aufmerksam zu. „Was hat euch denn am meisten überrascht?“.

„Wir scheinen alle ähnliche Probleme und Herausforderungen zu haben“, so die einstimmige Wortmeldung der teilnehmenden jungen Frauen*.

Wie sich diese in der Gesellschaft bemerkbar machen und wie Diskriminierung und Benachteiligung sich strukturell verankern, erklären zwei Mitarbeiterinnen des ältesten lokalen Frauenvereins, dem Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft. Zahlen und Fakten im Hinblick auf (fehlende) Gleichstellung und Feminismus werden aufgelistet und diskutiert, oft ist ein empörtes „Oh“ zu hören. Der Austausch darüber reißt am Abend nicht ab, geht am nächsten Tag weiter.

Dieses Mal nicht sitzend, sondern gehend. Auf der Suche nach „Hidden Stories“ spazieren die Teilnehmenden durch Innsbruck. Lernen das Leben von Helene Scheuberin und weiteren Frauen* kennen, die in der Geschichtserzählung einfach nicht vorkommen.

Alle Stimmen sollen gehört werden.

Das meint Mariia, die aus der Ukraine kommt und mittlerweile in Wien lebt. „Objektiv kann Geschichtsschreibung vielleicht nicht sein, aber sie kann mehrere Perspektiven berücksichtigen.“ Wie zum Bespiel jene der jungen Aktivistinnen aus dem Tschad.

Mit diesen nämlich steht am selben Nachmittag noch ein Austausch über ihr feministisches Engagement auf dem Programm. Technisch eine Herausforderung, da die Videoverbindung öfters abreist. Und sprachlich langwierig, da immer aus dem Französischen, einer der Amtssprachen des Tschads, ins Englische, der offiziellen Sprache der Summer School, übersetzt werden muss. Und umgekehrt. Und dennoch: die Anstrengungen lohnen sich. Alle sind inspiriert von deren Engagement.

„Es war so schön und wichtig zu sehen, dass der Austausch mit Aktivistinnen aus dem globalen Süden auf Augenhöhe funktionieren kann“, meint Arabella. Und Tagwa, die den Sudan verlassen hat und in Italien Medizin studiert, ergänzt: „Und wie leicht wirklich sinnvolle Aktionen gestartet werden können – zum Beispiel das Nähen von Stoffbinden oder Workshops zur reproduktiven Gesundheit.“ Selbst in einem Land, das 2025 Platz 146 von 149 ausgewerteten Ländern im Global Gender Gap Report eingenommen hat.
Und was sagen die Aktivistinnen selbst dazu?

„Negative Erfahrungen macht jeder Mensch, aber Engagement und das Einstehen für die Rechte von Frauen sind trotzdem möglich.“

Diese werden dann auch am nächsten Tag von den jungen Frauen* selbst eingefordert. Sie fertigen Zines an. Also Zeitschriften in kleiner Auflage, die innerhalb bestimmter Gruppen und in Subkulturen der Kommunikation dienen. Darin verpackt: ihre Empörung, ihre Wut und ihr Wunsch nach Gleichstellung, den sie lautstark, kreativ und mit einer Portion Humor zum Ausdruck bringen. Schnell ist klar: für mehr Geschlechtergerechtigkeit braucht es mehr – mehr Medien, die darüber berichten. Mehr Männer, die die Forderungen der Frauen* unterstützen. Und mehr internationalen Zusammenhalt. Die Schwestern Narges und Setayesh berichten über ihren Einsatz für Frauenrechte in Afghanistan und im Irak. Und fragen sich anschließend:

„Aber was hilft das, wenn in Wien niemand diese Forderungen unterstützt?“.

Feminismus im Alltag braucht also funktionierende Unterstützungsstrukturen.

Wie diese ausschauen können, erfahren die Frauen* in praktischen Workshop mit lokalen Initiativen wie dem selbstverwalteten Nähcafé Nadelöhr, den feministischen Fearless Bruisers oder dem DJ Kollektiv EAT Network. Nach einer Vorstellung ihrerseits sind die Teilnehmenden gefordert. Die jungen Frauen* nähen aus Stoffresten wiederverwendbare Menstruationsprodukte, ziehen sich Rollschuhe an und üben sich im Roller Derby und mischen hinter den Reglern stehend Songs für das Publikum zusammen. „Plötzlich kannst du gestalten, kannst dir Gehör verschaffen. Das ist so richtig empowernd,“ fasst Janie diese Erfahrung zusammen.

Wie empowernd die International Summer School 2026 für die Teilnehmenden dann insgesamt war, zeigt sich auch am letzten Abend im Feedback der jungen Frauen*.
„Das war meine erste europäische Erfahrung“, meint etwa Sara aus Syrien, die jetzt in Innsbruck lebt. „Und ich habe mich in dieser Gruppe von Frauen* wirklich sehr sicher und aufgehoben gefühlt.“ Und auch Maiya aus Kasachstan zeigt sich zufrieden.

„Ich bin zwar ein bisschen introvertiert und brauche ein wenig Zeit, um mich einzulassen. Aber jetzt weiß ich, dass ich mit meinen Herausforderungen nicht alleine bin. Dass andere mich unterstützen und wir gemeinsam Probleme lösen können.“

In einem ersten Schritt planen die jungen Frauen* deshalb die Umsetzung eigener Workshops an ihren Wohnorten. Für mehr Geschlechtergerechtigkeit und Feminismus im Alltag. Denn auch: „Das Nähen von Stoffbinden kann wirklich ein feministischer Akt sein“, so Olga aus Griechenland.Gemeinsam ist vieles möglich. Besonders Veränderung.

 

Pressestimmen

Mein Bezirk berichtete am 5. August 2026 über die International Summer School für junge Frauen*, die zwischen 28. und 31. Juli 2026 im Rahmen des EU-Projekts Global Districts und auf Einladung von Südwind Tirol in Innsbruck stattfand. 

Weitere Inhalte

  • Empowerment
  • Jugend
  • Klima
Ideenaufruf für Jugendprojekte: Deine Idee. Dein Projekt. Deine Chance!
  • Bildung
  • Empowerment
  • Jugend
Einladung zum nationalen Jugenddialog 2026 - 23. Oktober in Wien
Kommt und redet mit! Das Projekt Youth Voices ist an eurer Meinung interessiert und ladet euch ein!
  • Bildung
  • Empowerment
  • Jugend
  • Klima
  • Konsum
Eine Stadt geführt von Kindern für Kinder: Mini-Salzburg 2026
Willkommen beim Fairen Weltclub!
Logo von Südwind mit dem Zusatz Globalisiert Gerechtigkeit
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.