Kurzbeschreibung

Die Ausbeutung von Arbeiter*innen ist tägliche Realität in der Elektronikindustrie. Ein von der AK-Wien gefördertes Projekt will das verbessern.

Computer und Handys werden vorwiegend in Asien gefertigt. Dabei werden die Arbeiter*innen giftigen Substanzen ausgesetzt, es kommt zu ungerecht niedrigen Löhnen, Zwangsarbeit, Unterdrückung von gewerkschaftlicher Vereinigung uvm.

In Österreich verwenden Arbeitnehmer*innen im beruflichen Alltag unbewusst elektronische Geräte mit menschenrechtswidriger Entstehungsgeschichte. Das muss sich ändern.

Internationale Solidarität

Für internationale Solidarität unter den Arbeitnehmer*innen braucht es Bewusstsein für die Problemfelder der Digitalisierung. Betriebsrät*innen können sich dann dafür einsetzen, dass ihre Mitarbeiter*innen digitale Arbeitsgeräte zur Verfügung haben, welche unter Einhaltung von modernen Arbeitsrechten produziert wurden.

Südwind Projekt

Südwind leitet ein durch den Digifonds der AK-Wien gefördertes Projekt, wo Workshops für gewerkschaftliche Bildung entwickelt und durchgeführt werden. Dabei werden realen Auswirkungen der Elektronik-Lieferketten und Verbesserungsmöglichkeiten sichtbar gemacht.

AK - Faire Elektronik-Lieferketten

Eine faire Digitalisierung braucht gute Arbeitsbedingungen entlang der Elektronik-Lieferkette und eine möglichst lange Nutzung der Elektronik-Produkte (Reparatur, Schließen von Kreisläufen) zur Schonung begrenzter Ressourcen.

Problemstellung

Die Digitalisierung wird durch die Elektronikindustrie ermöglicht. Arbeiter*innen leiden aufgrund rechtlicher Grauzonen unter schlechten Arbeitsbedingungen. Leider ist die Ausbeutung von Arbeitnehmer*innen und der Natur Teil der alltäglichen Realität in der internationalen Elektronikindustrie und in deren vorgelagerten Rohstoffsektoren, welche die Basis der sich vollziehenden Digitalisierung bilden. Es fehlt an Transparenz in den Lieferketten und mangelt an Bewusstsein zu den Arbeitsbedingungen in der internationalen Elektronikindustrie. Unternehmen und auch öffentliche Institutionen richten sich bei der notwendigen Beschaffung von elektronischen Geräten eher nach den geringsten Kosten anstatt nach sozialen und ökologischen Kriterien.

Lösungsansätze

Mit Hilfe gewerkschaftlicher Aktivist*innen in den Produktionsländern recherchieren wir zu blinden Flecken in Bezug auf Arbeitnehmer*innenschutz und publizieren neue Fakten.

Bildungs- und Informationsangebote

Für die Solidarität unter den Arbeiter*innen und die Möglichkeit zur Mitbestimmung braucht es Bewusstsein für diese Problemfelder der Digitalisierung. Mit Bildungsformaten für Betriebsrät*innen, Lehrlinge und Multiplikator*innen machen wir die realen Auswirkungen auf die Arbeitspraxis und Verbesserungsmöglichkeiten sichtbar.

Mitbestimmung

Wir werden gemeinsam mit Betriebsrät*innen Muster-Kriterien für Ausschreibungen erarbeiten, welche bei der Beschaffung von Elektronik in den Betrieben eingesetzt werden sollen. Dadurch werden Arbeitnehmer*innen in Österreich digitale Geräte zur Verfügung haben, welche unter Achtung von Menschen- und Arbeitsrechten hergestellt wurden.

Kreislaufwirtschaft

Wir werden Reparaturcafés (mit dem Fokus auf IT-Geräte und Smartphones) anbieten. Dadurch
erlernen (zukünftige) Arbeitnehmer*innen konkretes praktisches Wissen, um die Digitalisierung und die damit zusammenhängende Lieferkette nachhaltiger und solidarischer zu gestalten. Kreislaufwirtschaft, ReUse und Recycling sind ein wichtiger Faktor einer fairen Digitalisierung.

Projekt - Ziele

Im Projekt "AK - Faire Elektronik-Lieferketten" arbeitet Südwind von Oktober 2021 bis September 2023 mit drei Partnerorganisationen an dem Ziel, die Lieferkette der Elektronikindustrie transparenter, gerechter sowie klima- und umweltfreundlicher zu gestalten.

Durch das "AK - Faire Elektronik-Lieferketten" will Südwind langfristig zu verbesserten Arbeits- und Umweltbedingungen in der Lieferkette der Elektronikindustrie beitragen. Südwind sieht dies als zentralen Baustein für menschenwürdige Lebensbedingungen der vielen Arbeiter*innen, die unsere Computer und Handys produzieren.

Infografik zu Auswirkungen der Elektronik-Lieferketten

Soziale Auswirkungen und Umweltschäden durch die Elektroniklieferkette (Infografik mit Click vergrößern) - CCO

Radiosendung - Der herausfordernde Weg zum Lieferkettengesetz

In unserer globalisierten Welt sind Lieferketten lang und undurchsichtig. Das führt nicht zuletzt zur Ausbeutung von Menschen und der Umwelt. Der Ruf nach einem Lieferkettengesetz – sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene in Österreich wird immer lauter. Es könnte die soziale Gerechtigkeit stärken und ein Katalysator für die Kreislaufwirtschaft sein.

In Zusammenarbeit mit den Organisationen der AG Rohstoffe ist weltumspannend arbeiten, der entwicklungspolitische Verein im ÖGB, in unterschiedlichen Projekten (wie AK Faire Elektroniklieferketten) Teil jener Nicht-Regierungsorganisationen, die sich durch ihre Arbeit, ihre Recherchen, durch Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit konstruktiv in gesellschaftspolitische Prozesse einbringen.

Was sind Lieferketten? Warum braucht es ein Lieferkettengesetz? Wo hakt es beim Entwicklungsprozess? Und was kommt am Ende der klassischen Lieferkette?

Gemeinsam mit Julia Eder, Mitarbeiterin von weltumspannend arbeiten und Lektorin an der Johannes Kepler Universität,

Bettina Rosenberger, Geschäftsführerin vom Netzwerk Soziale Verantwortung (kurz NeSoVe)

und Matthias Neitsch, Geschäftsführer des Reparaturnetzwerks (kurz RepaNet)

ist Sandra Hochholzer diesen Fragen nachgegangen.

 

Förderhinweis