Make ICT Fair und Rohstoffe der Digitalisierung

Hintergrund zu den Infografiken und zum Video
https://www.suedwind.at/handeln/kampagnen/make-ict-fair/hintergrundinformationen/

Herausforderungen

Zur Herstellung von IT- und Elektronikprodukten wie Smartphones, Tablets, Notebooks und PCs, Druckern, Bildschirmen oder Speichermedien wird eine Vielzahl unterschiedlicher Rohstoffe benötigt (u.a. Zinn, Tantal, Wolfram, Gold und Kupfer), deren Abbau und Handel oft zu Menschenrechtsverletzungen, Konflikten und Umweltzerstörung beitragen. Die Arbeitsbedingungen entlang der Produktionsketten, d. h. vom Abbau der Rohstoffe bis hin zur Fertigung der Produkte, widersprechen vielfach internationalen Standards. Um die fortschreitende Digitalisierung nachhaltiger zu gestalten, sind ein gestärktes gesellschaftliches Bewusstsein, Stakeholder-Dialoge und Regulierungsmaßnahmen notwendig.

So soll z.B. die (in Verhandlung befindliche) EU-Konfliktmineralienverordnung die Finanzierung von bewaffneten Gruppen aus dem Abbau und Handel mit “Konfliktmineralien” (begrenzt auf Zinn, Tantal, Wolfram und Gold sowie deren Erze und Derivate) unterbinden.

Im öffentlichen Sektor haben soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit sowie Transparenz und fairer Wettbewerb einen hohen Stellenwert. Öffentliche Institutionen sind oft Großabnehmer von IT-Hardware und erwerben diese Produkte häufig auf Grundlage langfristiger Verträge. Sie sind daher in der Lage, Marktchancen für Unternehmen zu schaffen, die sich zur Achtung der Umwelt und Arbeitsrechte und zur Einhaltung von Sicherheitsstandards in globalen Lieferketten verpflichten, und sie können diese Unternehmen zur Rechenschaft ziehen, falls sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.

Lösungsansätze

  • Electronics Watch unterstützt als unabhängige Monitoring-Organisation öffentliche Auftraggeber dabei, ihre Verantwortung für den Schutz der Arbeitsrechte in der Lieferkette der IT-Industrie wahrzunehmen. Ein Leitfaden hilft Unternehmen als Auftragnehmer des öffentlichen Sektors, den auf international anerkannten Standards der Sorgfaltspflicht basierenden Electronics Watch Vertragsbedingungen zu folgen und die Einhaltung von Arbeitsrechten, Sicherheitsstandards und Transparenz in der Lieferkette zu gewährleisten.

  • Unternehmen wie Fairphone oder Nager-IT schaffen nicht nur Produkte, die internationalen Arbeitsrechtsstandards mehr und mehr entsprechen, sondern außerdem Bewusstsein für die Problematik unter den KonsumentInnen. Nur informierte BürgerInnen können Entscheidungen treffen, die zur Verbesserung ungleicher Handelsbeziehungen und zur konkreten Verbesserung der Lebenswelt der ArbeiterInnen in den Produktionsländern beitragen.

  • Der stetig wachsende Rohstoffhunger der Digitalisierung erfordert einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Es ist daher unabdingbar, geringe negative Umweltauswirkungen bei Herstellung, Verbrauch/Gebrauch und Entsorgung zu gewährleisten. Einer der dringendsten Handlungsbereiche in Bezug auf IT- und Elektronikprodukte ist es, eine längere Nutzung der Geräte zu erwirken, um den Rohstoffbedarf zu reduzieren. Im Allgemeinen gilt auch hier: Weniger ist mehr. So gibt etwa selbst der Mobiltelefonhersteller Fairphone zu bedenken: „We like to say that the fairest phone available is the one you already own."
  • Nachfragen bei Unternehmen und Händlern, wie sie sicherstellen, dass keine Menschen bei der Produktion ausgebeutet werden. Eine entsprechende E-Mail-Vorlage gibt es dazu HIER

Bildungsmaterialien zum Thema Rohstoffe

  • Ideen für LehrerInnen und MultiplikatorInnen, wie das Thema IT und Rohstoffe mit Kindern und Jugendlichen erarbeitet werden können gibt es HIER. u.a. Unterrichtsmaterialien zu Elektroschrott, Elektronikkonzernen und der Welt im Handy
  • Laden Sie den Geocache HIER herunter, drucken ihn aus und verstecken ihn im Cache an einem Ort, der mit Rohstoffen zusammenhängt. Das könnte das Elektrogeschäft im Ort, ein Steinbruch, der Autohändler genauso sein wie der Steinmetz.

  • In der interaktiven Theaterform Forumtheater, die vom Brasilianer Augusto Boal geprägt wurde, können Jugendliche selbst mitspielen und so das Thema hautnah erfahren. In diesem Stück geht es um gruppendynamische Prozesse zwischen Jugendlichen. Ein Konflikt entsteht, bei dem es sich scheinbar um Handys dreht...  HIER

  • Mit der Shopkarte zu "Make ICT Fair" können Sie in Geschäften Ihr Interesse an den Produktionsbedingungen kundtun und Informationen einfordern. Diese Nachfrage richtet sich an die Geschäftsführung Elektronikfirmen und ist ein Appell für faire, transparente und nachhaltige Produktion. HIER


AG Rohstoffe
Die ARBEITSGEMEINSCHAFT ROHSTOFFE ist ein Bündnis österreichischer NGOs mit dem Ziel, negative Auswirkungen des Abbaus mineralischer Rohstoffe etwa für IT- und Hochtechnologie-Produkte durch deren Herstellung, Nutzung und Entsorgung zu verringern sowie gleichzeitig positive Ansätze eines nachhaltigeren Umgangs mit diesen Materialien politisch und gesellschaftlich voranzutreiben. Konkret heißt dies, nationale, europäische und internationale Rohstoffpolitik mitzugestalten und zu einem bewussteren gesellschaftlichen Umgang mit mineralischen Rohstoffen beizutragen.

Positionspapier
Die AG Rohstoffe entwickelte im Juni 2017 das Positionspapier "Rohstoffe der digitalen Zukunft: Zeit für ein sozial-ökologisches Upgrade". 

Die AG Rohstoffe wird von Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, GLOBAL 2000, Finance&Trade Watch, Südwind und dem Netzwerk Soziale Verantwortung (NeSoVe) gebildet. Wissenschaftlich begleitet wird das Bündnis durch die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) sowie das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte (BIM).