Spielzeug in China II

Schuften für Hungerlöhne ...
... während Markenfirmen hohe Gewinne machen
AktivistInnen in Linz fordern faire Arbeitsbedingungen

Spielzeugproduktion: Kein Spaß für ArbeiterInnen

Weihnachtszeit ist Spielzeugzeit. Voraussichtlich 80 Mio. Euro geben die ÖsterreicherInnen in diesen Wochen für Spielespaß unterm Christbaum aus. Nichts zu Lachen haben hingegen die ArbeiterInnen in China, die ca. 80 Prozent der weltweit verkauften Spielsachen produzieren.

"Weil die Arbeit so anstrengend ist, werden Kolleginnen häufig ohnmächtig." "Wir arbeiten jeden Tag bis 21 Uhr. Wir hatten noch keinen freien Tag diesen Monat. Alle unsere Überstunden sind verpflichtend." Das sind nur zwei von unzähligen Klagen chinesischer SpielzeugarbeiterInnen, die Südwind-Kampagne "Spielsachen fair machen!" mithilfe von Arbeitsrechtorganisationen aus China und Hongkong gesammelt hat, eine davon ist SACOM (Students and Scholars Against Corporate Misbehavior). Seit Jahren überprüft sie zum Teil undercover, ob sich internationale Konzerne, wie zum Beispiel Disney, an ihre Verhaltenskodizes und an das chinesische Arbeitsgesetz halten.

Überstunden, Kinderarbeit und Todesfälle
Bei den meisten Zulieferbetrieben ist das Ergebnis erschütternd. "Immer wieder stellen wir fest, dass statt der gesetzlich erlaubten 40-Stunden-Woche und den maximal 36 Überstunden im Monat, bis zu 100 Stunden in einer Woche gearbeitet wird", kritisierte Debby Chan, die Leiterin von SACOM bei einem Besuch in Österreich Anfang Dezember. Darüber hinaus werden die ohnehin extrem niedrigen Mindestlöhne von ca. 1000 Yuan (entspricht 115 Euro) in den meisten Fabriken unterschritten. Um diese Missstände zu vertuschen werden die ArbeiterInnen oft gezwungen bei Kontrollen zu lügen, anderenfalls droht der Rausschmiss. Chan berichtete sogar von Kinderarbeit und Todesfällen, die durch den Gebrauch veralteter Maschinen passierten: 2009 wurde der 17jährige Arbeiter Liu Pan von einer Maschine einer Fabrik, die für Disney produziert, zu Tode gequetscht. "Jedes Mal wenn wir Disney mit Vorwürfen konfrontieren, schieben sie die Verantwortung auf ihre Lizenznehmer und Zulieferbetriebe. Dabei sind es die Konzerne, die große Gewinne einstreifen und mit lachenden Kindern werben – auf Kosten der Arbeiterschaft", zeigte sich Chan empört.

Schwache Verhaltenskodizes

Auch der Verhaltenskodex des Internationalen Spielzeugverbandes ICTI scheint nicht zu greifen, obwohl ihn fast alle internationalen Spielzeug-Konzerne von Disney bis Mattel übernommen haben. ICTI zertifiziert ihre Zulieferbetriebe – trotz Verstößen gegen den Kodex und auch gegen nationales chinesisches Arbeitsrecht. "ICTI vergibt sogar Zertifikate an Fabriken, in denen regulär mehr als 72 Stunden pro Woche gearbeitet wird", berichtete Claudia Bonk von "Spielsachen fair machen!" nach einer Recherchereise in Hongkong und Südchina.
Dort besuchte sie auch einen LEGO-Zulieferer und traf das Management, das sich im Gegensatz zu vielen anderen transparenter zeigt, obwohl das Unternehmen nur einen relativ kleinen Teil seiner Produktion nach China ausgelagert hat. "Die Fabrikanlage, auf der zwischen 9.000-12.000 Menschen arbeiten und leben, wirkte gepflegt. Das Management scheint sowohl die Standards des LEGO eigenen Verhaltenskodex, als auch den von ICTI einzuhalten", erzählte Bonk. Dennoch zeige sich der Konzern an einer Verbesserung der Verhalteskodizes und Überprüfungen interessiert und ist mit "Spielsachen fair machen!" weiterhin in Kontakt.

Was wir tun können
"Ein Zertifikat für fair produziertes Spielzeug gibt es leider noch nicht", bedauerte Bonk, "aber dafür viele Möglichkeiten, Druck auf die Unternehmen und den Internationalen Spielzeugverband auszuüben, damit sie sehen, dass faire Arbeitsbedingungen gefordert werden." Nachfragen im Geschäft, wo und wie Spielzeug produziert wird, oder per Mail bzw. Karten die Firmen zu kontaktieren, seien Wege, diese Forderung sichtbar zu machen. Derzeit gibt es auf der Website der Kampagne "Spielsachen fair machen!" auch eine Online-Petition an ICTI, um den Spielzeugverband dazu zu bewegen, sich stärker für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen (www.spielsachen-fair-machen.at).

Als faire Weihnachtsgeschenke kann die Kampagne derzeit nur Spielsachen empfehlen, die in den Weltläden angeboten werden oder heimisches Holzspielzeug z. B. der Firma Matador. "Die Branchenführer haben noch einen großen Aufholbedarf, was ein nachhaltiges und transparentes Engagement für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in ihrer Zulieferkette angeht – zu Weihnachten und das ganze Jahr über", so Bonk.

Aktionen in ganz Österreich

In den nächsten Wochen werden AktivistInnen des Südwind-KonsumentInnennetzwerks I SHOP FAIR auf die Straße gehen, um weiter über die Missstände in der Spielzeugindustrie zu informieren. In Wien (8. Dezember), Graz (11. Dezember), Dornbirn und Innsbruck (18. Dezember) werden sie Flashmobs und andere Aktionen abhalten, um ihrer Forderung nach fairen Arbeitsbedingungen Ausdruck zu verleihen.


Zum Downloaden und Weiterlesen:
Folder "Albtraum Spielzeugfabrik"
Aktueller Undercover-Report aus zwei Disney-Zulieferbetrieben
Bildmaterial zum Thema
Fotos und Video der Aktion in Linz
Preisbeispiel "Barbie“"
Weitere Informationen zur Kampagne: www.spielsachen-fair-machen.at