Computer in Thailand

ArbeiterInnen auf dem Weg in die Fabrik

November 2009

Computer, Handy, Fernseher und Kamera – elektronische Artikel erleichtern unseren Alltag und sind kaum mehr wegzudenken. Der Großteil davon wird aus Asien importiert. Thailand ist der größte Festplatten-Exporteur der Welt, aus China kommen 25 Prozent der globalen Elektronik-Produktion.
Sie bestimmt in diesen Ländern den Alltag von Millionen Menschen. "Vor allem junge Frauen sind in der Elektronikindustrie beschäftigt. Sie arbeiten tagtäglich bis zu 16 Stunden am Fließband und gefährden dabei ihre Gesundheit für einen Hungerlohn", berichtet die Südwind-Aktivistin Christina Schröder. Gemeinsam mit einer Kollegin war sie in Thailand, um den sozialen Problemen in der Elektronikproduktion auf den Grund zu gehen.

Hard Ware- Hard Life in Thailand
Zahlreiche Investitionsförderungen der thailändischen Regierung locken die großen Elektronikmarken ins Land. Bis zu elf Jahre können sie steuerfrei produzieren lassen, danach gibt es immer noch die Möglichkeit Firmenstandorte zu schließen und in der Nachbarprovinz unter einem anderen Namen wieder aufzusperren. Bei dieser Gelegenheit wird die Belegschaft gekündigt und neue Arbeitskräfte, meist LeiharbeiterInnen, werden angestellt.

Sie bekommen den Mindestlohn gezahlt – ca. 200 Baht, also vier Euro am Tag. Überleben kann man davon nicht. Deswegen sind sie gezwungen, täglich mindestens zwei Überstunden zu leisten und Schicht zu arbeiten. Pro Nacht werden ca. 50 Cent Zuschlag gezahlt. "Mit Überstunden und Nachtarbeit komme ich gerade so über die Runden", erzählte eine Arbeiterin den Südwind-Aktivistinnen, "Ansparen kann ich mir für Notfälle aber nichts." Diese können jedoch jederzeit eintreten. Denn wer einen Fehler bei der Produktion macht, kann fünf bis sieben Tage suspendiert werden. Dann fehlt jegliche Existenzgrundlage.
Auch wer krank wird oder einen Unfall am Arbeitsplatz hat, gerät in eine Notsituation. Dem 40jährigen Herrn Tuebto wurde am Ende einer langen Nachtschicht die Hälfte des Fußes in einer defekten Maschine abgetrennt. Sein Arbeitgeber, ein Zulieferer für große Markenfirmen, hat ihm bis heute keine Entschädigung gezahlt. "Das Management hat gemeint, dass es meine eigene Schuld war und sie deshalb nicht zahlen. Dabei habe ich mehrmals auf die defekte Maschine hingewiesen", klagte Herr Tuebto.

Auch für beruflich bedingte Krankheiten wollen Unternehmen keine Verantwortung übernehmen. Wenn ÄrztInnen Krankheiten aufgrund von toxischer Belastung und fehlender Schutzkleidung diagnostizieren, werden sie oft von den Unternehmen geklagt. "Kaum einer wagt, eine richtige Diagnose zu stellen und Arbeiterinnen und Arbeiter, die nicht wissen, warum und ob sie krank sind, können sich auch nicht wehren", erklärte Dr. Auropan. Sie ist eine der wenigen ÄrztInnen in Thailand, die sich trotz Firmenklagen dafür einsetzte, die gesundheitlichen Belastungen, die von der Arbeit in Elektronikfirmen ausgeht, zu beweisen.

… und in China

Ähnliches berichtete Kevin Li, einer der Gründer der globalisierungskritischen Bewegung "Globalization Monitor" aus China. Er ist auf Einladung von Südwind in Österreich zu Gast, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen in der asiatischen Elektronikindustrie aufmerksam zu machen. Die ArbeiterInnen dürfen sich in China nicht frei gewerkschaftlich organisieren, um mit dem Management der Fabriken zu verhandeln, um damit ihre Situation zu verbessern. "Markenunternehmen müssen Verantwortung für Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben übernehmen. Dazu sollen sie Verhaltenskodizes entwickeln und umsetzen, die faire Bedingungen für alle Arbeiterinnen und Arbeiter garantieren", unterstreicht Kevin Li.

Clean-IT in Österreich
Er unterstützt somit auch die Forderungen der Südwind-Kampagne Clean-IT für faire Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie. "Unsere Hauptaufgabe ist Bewusstsein über die Missstände in dieser Industrie zu schaffen. Gemeinsam mit Konsumentinnen und Konsumenten üben wir Druck auf die Unternehmen aus, damit sie ihre soziale Verantwortung gegenüber den Arbeiterinnen und Arbeitern wahrnehmen", erklärt Andrea Ben Lassoued, Projektleiterin von Clean-IT. Bis dato gäbe es noch keine fair produzierten Computer am Markt. "Je größer die Nachfrage von Konsumentinnen und Konsumenten nach fairen Arbeitsbedingungen in der Computer- und Elektronikindustrie, desto eher werden sich die Unternehmen dafür einsetzen müssen."

Mehr Infos Clean IT finden Sie unter www.clean-IT.at

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