Blickwechsel

Dieses Handbuch zum Globalen Lernen richtet sich an PädagogInnen, ErwachsenenbildnerInnen, NGO-MitarbeiterInnen und Personen, die sich in ihrer pädagogischen Arbeit mit globalen Themen befassen möchten.

Die weite Welt ist heute selbstverständlicher Teil des Lebens von uns allen geworden: Fernsehen und Internet ermöglichen uns Zugang zu globalen Informationen und internationalen Ereignissen, die Welt deckt unseren Tisch, und unser Freundes- und Bekanntenkreis ist multikultureller geworden. Globale politische, wirtschaftliche und soziokulturelle Entwicklungen spiegeln sich also in unserem alltäglichen Leben wider: es ergeben sich neue Kontakte zwischen Menschen mit unterschiedlichen Weltbildern, Einstellungen und Lebensformen. Es entstehen aber auch größere wirtschaftliche und politische Einheiten, und parallel dazu Nationalismen, neue Formen von Ausgrenzungen und Benachteiligungen. Alle diese Entwicklungen bringen Fragen und Diskussionen mit sich und stellen Herausforderungen für die Gesellschaft, ebenso wie für den/ die Einzelne/n dar.

Diese Entwicklungen in Richtung einer „globalen Gesellschaft“ werden oftmals unter dem Schlagwort „Globalisierung“ zusammengefasst und es wird darüber debattiert, welche Chancen oder Risiken die Prozesse der Globalisierung für uns und für die gesamte Menschheit bringen. Kritisch betrachtet verstärkte Globalisierung oftmals negative Entwicklungen, ohne diesen ausreichend positive Konzepte entgegenzusetzen: der Klimawandel wird durch ungebremste globale Mobilität von Waren und Menschen angeheizt, der Freihandel verursacht ungerechte und unmenschliche Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern und generell gesprochen wächst die Kluft zwischen Armut und Reichtum, global und auch in unseren eigenen Gesellschaften. Die Chancen, die mit Globalisierung verbunden sind, kommen nur wenigen und privilegierten Gruppen zu Gute.

Einigkeit herrscht jedenfalls darüber, dass wir uns in einer politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Umbruchsituation befinden, und der Beginn des 21. Jahrhunderts von zentralen und sehr schnellen Veränderungen geprägt ist. Diese Veränderungen werden deutlich durch die konstante Entwicklung neuer Technologien, das Entstehen neuer Netzwerke, durch die Zunahme von Wissen und Nichtwissen und durch die hohe Geschwindigkeit, in der sich diese Entwicklungen fortsetzen. Das Gefühl von Komplexitätssteigerung, Widersprüchlichkeit und Orientierungslosigkeit von uns allen nimmt zu.

Wie soll nun Bildung und Schule auf diese Herausforderungen reagieren? Seit den 1990er Jahren wurde das Globale Lernen als ein pädagogisches Konzept entwickelt, das als Lernen vor dem Hintergrund einer sich globalisierenden Welt zu verstehen ist. Globales Lernen definiert globale Themen und Fragen als Querschnittsaufgabe von Bildung und ist dem Leitbild einer weltweiten nachhaltigen Entwicklung und einer sozialen Gerechtigkeit verpflichtet.

Das vorliegende Handbuch orientiert sich am Konzept des Globalen Lernens und wurde im Rahmen des grenzüberschreitenden Projektes „Global Education without Borders“ entwickelt. ExpertInnen aus 6 verschiedenen Ländern haben an der Erstellung mitgewirkt. Das Handbuch hat zum Ziel, Lehrende und MultiplikatorInnen anzuregen und zu unterstützen, Inhalte im Sinne des Globalen Lernens in ihrem Unterricht, in ihren Seminaren und Veranstaltungen aufzugreifen und methodisch abwechslungsreich zu bearbeiten. Die Übungen und Aktivitäten, die Sie im Folgenden finden können, sind vielfach – in formalen und non-formalen Bildungszusammenhängen – einzusetzen, und wir empfehlen Ihnen, diese auf Ihre Bedürfnisse und Lernumgebung anzupassen. Wir hoffen, dass Sie in diesem Handbuch viele neue Anregungen finden.